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MATERIALSTUDIE SUMPFKALKPUTZ 2013

Sumpfkalkputz / Fresko
Kalk und böhmische grüne Erde

Ausgangspunkt der Studie war die Frage nach dem Zusammenspiel eines Sumpfkalkputzes und dem Pigment böhmische grüne Erde. In einem ersten Schritt wurde der Sumpfkalkputz in verschiedenen Rauhheitsgraden aufgebracht. Das farbreine, kalkechte, lasierende Erdpigment wurde erst auf einer Glasscheibe mit wenig Sinterwasser angeteigt und dann in verschiedenen Konzentrationen direkt auf den leicht angezogenen aber noch nicht abgebundenen Putz aufgetragen.
Interessant ist bei dieser Fresko genannten Technik, dass kein Bindemittel benötigt wird da die Pigmentbindung durch die Carbonatisierung des Kalkes erfolgt.
Neben den zu erwartenden farblichen Unterschieden bei verschiedener Pigmentdichte wird deutlich, dass die Oberflächenbeschaffenheit die Helligkeit stark beeinflusst - je glatter die Putzoberfläche desto eher tritt der kühle, graustichige Grünton der böhmischen Erde hervor. Um der Farbe mehr Brillanz zu verleihen kann gelöschter Grubenkalk beigegeben werden. Dies bewirkt allerdings auch eine deutliche Aufhellung der Farbe und der Anstrich wird durch den Kalk deckend. Dem Anstrich wurde Quarzsand beigemengt um
eine Schlämme zu erzeugen.
Schlussendlich wurden die noch feuchten Fresko-Flächen mit Sgraffito-Werkzeugen bearbeitet. Nun wird der Helligkeitskontrast sehr präsent, das Sgraffito-Muster zeichnet ab wo die Deckschicht des Putzes entfernt worden ist und die Putzkörnung Schatten wirft. Die Frescotechnik verlangt grosses technisches Können da ein Übermalen oder Ausbessern nicht möglich ist und die Flächen nur so lange gestaltet werden können, wie der Kalkputz feucht ist. Es wäre allerdings interessant zu prüfen, ob die Sgraffito-Technik durch Weiterentwicklung auch bei Zementputzen wieder vermehrt zur Anwendung kommen könnte.

Sgraffito und grünliche Kalkschlämme: